Yves Honla - Für die Unterdrückten riskierte er sein Leben
Shownotes
Yves Honla wächst in Kamerun auf – in einer Realität, die kaum vergleichbar ist mit dem Leben, das wir in der Schweiz kennen. Seine Eltern arbeiten hart, um ihm, seinen Geschwistern und der grossen Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Lange gelingt das. Für kamerunische Verhältnisse lebt die Familie privilegiert. Doch dann zerbricht alles. Die Eltern trennen sich. Die Familie fällt auseinander. Für Yves beginnt ein harter Überlebenskampf. Trotz allem liebt er die Schule. Doch Bildung hat ihren Preis. Um weiter lernen zu können, schleppt er Steine, arbeitet auf Feldern – nur um sich Schulbücher leisten zu können. Schon früh sieht Yves die Ungerechtigkeit in seinem Land. Und in ihm wächst ein brennender Wunsch: Er will Menschen aus Unterdrückung befreien. Für Gerechtigkeit kämpfen. Seine Stimme für die erheben, die keine haben. Er studiert Jura, wird Rechtsberater für genau diese Menschen. Doch dabei bleibt es nicht. Yves gründet eine Sprachschule, eine Solidaritäts-Tourismus-Organisation – und merkt irgendwann: Reden allein reicht nicht. Er geht an die Öffentlichkeit. Nennt die Dinge beim Namen. Spricht aus, was viele verschweigen: Verfolgung, Unterdrückung, das Leid von Minderheiten. Dieser Mut bringt ihn in Lebensgefahr. Als Yves zu einem Vortrag bei einer internationalen Menschenrechtsorganisation nach Genf eingeladen wird, verändert sich alles. Er strandet in der Schweiz. Eine Rückkehr ist nicht mehr möglich.
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Autorin & Host: Ruth Stutz
Transkript anzeigen
00:00:00: Ich habe extreme schlimme Sachen erlebt.
00:00:03: Ich wurde zwei, drei Mal festgenommen und ins Gefängnis geschickt.
00:00:09: Ich habe sehr viele Demonstrationen organisiert und auch mitgemacht.
00:00:14: Einmal wurde ich angeschossen am Bein und aber auch am Arm.
00:00:20: Aber das hat mich überhaupt nicht entmutigt.
00:00:23: Ich bin trotzdem weiter, weil für mich der Mensch ist wichtiger.
00:00:29: Bei uns erzählen die Menschen ihre Geschichte.
00:00:33: Ein Podcast von EREF Mediaschutz.
00:00:36: Herzlich echt und ungeniert.
00:00:39: Also ich versuche ja, meine Möber schon länger das Amt dabei zu bringen.
00:00:44: Wir sind fängmal beim Tellerabrauben.
00:00:47: eine riesige Sache, sage ich euch.
00:00:48: Manchmal klappt es dann auch wirklich.
00:00:51: Als ich meinem heutigen Gast zugelassen habe, bräuchte ich eine so krasse Gegensätze aufeinander.
00:00:58: Eif-Hongla ist das Kamerun aufgewachsen und musste phasenweise Kilometer weit laufen, zum Wasser holen oder die Steine umgetragen, um seine Schulbücher zu zahlen.
00:01:10: Eif-Hongla hatte ein grosses Ziel schon als Jugendlicher.
00:01:14: Er will Menschen helfen, die aus welchen Gründen immer unterdrückt werden.
00:01:20: Er wird Anwalt, arbeitet als Rechtsberater für Minderheiten und bald langet ihm das nicht mehr und ersetzt als Aktivistskammerung sein Lebenaufspiel.
00:01:30: Eine packende Geschichte, die Eif-Hongla heute mit dir und mir teilt.
00:01:35: Schön, dass du mit dabei bist.
00:01:36: Ich bin Ruth Stutz.
00:01:38: Eif-Hongla, herzlich willkommen in Vis-a-Vis.
00:01:41: Ich freue mich sehr, dass du hier bist.
00:01:43: Hast du einen beschwerlichen Weg und einen Umfall gehabt?
00:01:46: Ja,
00:01:47: genau.
00:01:48: Ich bin sehr froh, dass nichts passiert ist.
00:01:50: Und du hast gleich den Weg hierher.
00:01:53: Und dafür hast du es genommen.
00:01:54: Danke dir viel, vielmals.
00:01:55: Eif, du bist ja in Kamerun aufgewachsen.
00:02:00: Und du bist jetzt schon ein paar Jahre hier bei uns in der Schweiz.
00:02:03: Etwas, was du mega gern machst hier in der Schweiz.
00:02:06: Also, du musst etwas schmunzeln.
00:02:08: Du musst gerne wandern.
00:02:11: Hast du das
00:02:11: vorher auch schon gemacht in Kamerun?
00:02:14: Also, zuerst danke vielmals Rot für die Einladung.
00:02:18: Sehr gerne.
00:02:19: Ja, ich fand das super gern.
00:02:21: In Cameroon bin ich gelaufen.
00:02:23: Also in Cameroon muss man laufen.
00:02:26: Man muss laufen, um Wasser zu holen.
00:02:29: Man muss laufen, um in die Schule zu gehen.
00:02:32: Also darum, in Cameroon wandern zu gehen, ist überhaupt nicht schön.
00:02:37: Überhaupt nicht.
00:02:39: Also, als ich hierher gekommen bin und ich habe die schöne Landschaft betrachtet, habe ich gesagt, wow, es ist so schön.
00:02:47: Das Wetter ist auch schön.
00:02:49: Das Wetter ist nicht so manchmal heiß und feucht vor allem wie in Kamerun.
00:02:54: Dann habe ich gesagt, das Wetter ist passend für eine Wanderung.
00:02:58: Und dann habe ich gesagt, okay, ich fange mal an.
00:03:01: zu wandern, weil ich wollte auch die Berge der Schweiz aussehen.
00:03:06: Ich wollte wirklich diese Natur genießen.
00:03:09: So habe ich mich entschieden zu wandern.
00:03:14: Viele Leute haben das ein bisschen komisch betrachtet, vor allem meine Landsleuten, also andere Leute, die aus Afrika kommen.
00:03:23: Das habe ich immer wieder gesagt, wieso gehst du wandern?
00:03:26: Warum bist du gezwungen, wandern zu gehen?
00:03:28: Hast du nicht?
00:03:30: Also bist du nicht genug gelaufen im
00:03:31: Kamerun?
00:03:32: Warum machst du das überhaupt?
00:03:34: Kriegst du Geld?
00:03:36: Dafür habe ich gesagt, nein, es ist ein Genuss.
00:03:38: Ich mag das.
00:03:39: Ich mag das super gern.
00:03:41: Ich finde das toll.
00:03:42: Aber ... Im Moment können Sie das nicht verstehen.
00:03:46: Okay, aber du geniesst dich auch die ganz andere Natur.
00:03:49: Und auch spannend, dass du das Wetter schön findest, für uns manchmal außerfortend, weil so jetzt gerade der Nebel und so, da liest du jetzt nicht drunter.
00:03:58: Nein, überhaupt nicht.
00:03:59: Ich weiß, denke ich immer, also das Wetter sollte keinen Einfluss haben in uns, weil wir sie menschen und wir haben ein Hirn und wir können uns Egal was wir wollen, vorstellen.
00:04:16: Gewisse Leute deprimieren, wenn es nebel wird, aber es ist einfach eine Sache von der Anstellung und von genießen.
00:04:25: Ich genieße die Natur.
00:04:26: Das ist ein Wunder, dass es nebel wird.
00:04:29: Das ist ein Wunder, dass es plötzlich dunkel wird und dass es auch sehr spät dunkel ist.
00:04:36: und ihn wissen, dass es anders aus sein wird, im Frühling, im Sommer.
00:04:40: Also diese Abwechslung finde ich toll.
00:04:42: Für mich, jeder Jahreszeit, ist einfach ein Abenteuer und ich genieße dieses Abenteuer.
00:04:50: So eine schöne Sicht, das freut mich, schön zu hören.
00:04:53: Komm, ich bin zurück in deine Kindheit.
00:04:56: Kamerun, bist du geboren?
00:04:57: Du hast mir gesagt im Vorgespräch, du hast mir eine Sprachnachricht gemacht.
00:05:02: Du hast gesagt, du hattest eine ganz normale Kindheit.
00:05:05: Was heisst eine normale Kindheit in Kamerun?
00:05:09: Ganz normal.
00:05:11: Ich war sogar privilegiert.
00:05:16: Eine normale Kindheit in Cameroon, das bedeutet einfach Haushalt zu machen, also Wasser holen zu gehen.
00:05:26: Man muss manchmal zehn Kilometer hin und her laufen mit Wasser über den Kopf.
00:05:33: Das hast du ermüse?
00:05:34: Ja, das habe ich auch gemacht, aber nur in den Ferien.
00:05:39: Darum sage ich, ich war wirklich privilegiert.
00:05:42: weil meine beiden Eltern gearbeitet haben und sehr hart.
00:05:48: Zuhause hatten wir alles.
00:05:49: Wir hatten sogar immer mehr Leute bei uns Cousins, wo die Eltern nicht genug Geld hatten, damit sie in die Schule gehen.
00:06:02: Meine Eltern haben unsere Cousins geholt.
00:06:05: und nach Hause gebracht.
00:06:08: Sie haben mit uns gewohnt.
00:06:09: Meine Eltern haben ihr Studium auch finanziert.
00:06:15: Also wir waren sehr viel zu Hause und unsere Kuse haben uns geholfen.
00:06:21: Wir hatten sogar auch Hausmenschen, also Leute, die uns extra ... geholfen haben.
00:06:30: Sie haben für uns fast alles gemacht.
00:06:32: Also, ich war wirklich privilegiert.
00:06:34: Ihren, der auch ein Leben glaubt, wo wir immer wieder abwarten haben, am Abend, hast du mir gesagt, dass der Glaube irgendwie eine Rolle gespielt bei eurem Familie?
00:06:45: Ja, also mein Vater war, also beide, mein Vater und meine Mutter, sie waren sehr gläubig.
00:06:51: Ich bin denn in so eine Familie aufgewachsen.
00:06:56: Ganz am Anfang für mich hatte das überhaupt keinen Sinn.
00:06:58: Ich habe einfach mitgemacht.
00:07:01: Und jeden Abend haben wir immer gebetet als Familie, d.h.
00:07:07: mit meinen Eltern und mit meinen Geschwistern.
00:07:12: Und jeden Sonntagfass sind wir zum Gottesdienst gegangen, alle als Familie.
00:07:18: Und wie, wie, wie ... Wir haben auch die Bibel gelernt.
00:07:23: Wir waren in Bibelunterricht.
00:07:26: Wir haben die Bibel gelernt.
00:07:27: Wir haben sehr viele Lieder auch gelernt und mitgesungen.
00:07:32: Also für uns Glauben gehört auch in unserem Leben und schon lange.
00:07:38: Und so bin ich groß gewachsen und mit der Zeit habe ich verstanden, warum.
00:07:44: Okay, also mit der Zeit hat es für dich einen Sinn
00:07:46: gemacht?
00:07:46: Ja, genau.
00:07:48: Mit der Zeit hat es wirklich einen Sinn gemacht.
00:07:51: Weil ich habe einfach gemerkt und das merke ich immer noch heute.
00:07:56: Ohne dieses Glauben kann ich nicht weiter.
00:08:01: Kann ich nicht weiter.
00:08:02: Also ich hole extrem viel Kraft von dem Glauben.
00:08:06: Und ja, ich bin denke ich die Person, die ich geworden bin.
00:08:11: Auch dank Dank Gott.
00:08:14: Du hast ja dann gleich einen grossen Schock erlebt, und zwar, wo sich deine Eltern getrennt haben.
00:08:19: Das war sehr schwierig für dich.
00:08:20: Was hat das gehalten?
00:08:24: Ich war zehn Jahre alt.
00:08:27: Mein Vater war ... Ja, meine Mutter war meine Heldin, mein Vater war meine Heldin.
00:08:32: Das war so.
00:08:35: Es hat mich zuerst genervt.
00:08:38: Ich dachte, wieso lassen Sie sich trennen?
00:08:44: haben sie an uns gedacht, dann habe ich mich rebelliert.
00:08:49: Ich wollte weder bei meinem Vater sein noch bei meiner Mutter, weil wenn ich bei meinem Vater war, er hat immer ja nicht gute Sachen über meine Mutter gesagt.
00:09:01: Und meine Mutter auch genauso.
00:09:03: Und ich wollte das überhaupt nicht hören.
00:09:05: Ich wollte wirklich im Kopf behalten, dass mein Vater ein guter Mensch war und meine Mutter auch.
00:09:12: Und darum ist ein Moment gekommen, wo ich gesagt habe, ich will Wähler bei meiner Mutter noch bei meinem Vater leben.
00:09:20: Dann habe ich mich rebelliert und ich bin weg.
00:09:24: Wirklich?
00:09:25: Mit Zahn?
00:09:26: Mit zwölf.
00:09:27: Da habe ich ein bisschen gewartet, weil ich war noch nicht genug reif.
00:09:32: Und dann bin ich von einem Tag nach einem anderen.
00:09:36: Ich bin weg.
00:09:37: Und habe ich angefangen, so allein zu leben.
00:09:41: Mein Vater hat das gemerkt und hat gesagt, okay, du komm mal mit.
00:09:48: Wir werden zusammenleben.
00:09:51: Aber das war schwierig.
00:09:54: Das war schwierig mit ihm zu leben und auch die Geschwister waren total getrennt.
00:10:00: Einige waren bei dem Vater, andere waren bei der Mutter.
00:10:05: Die waren total getrennt und wir haben wirklich das harte Leben.
00:10:10: lernen müssen.
00:10:11: Also das harte Leben.
00:10:12: Also noch ist nichts mehr mit Privilegien?
00:10:15: Nein,
00:10:15: überhaupt nicht.
00:10:16: Also mit mit fünfzehn, ich musste arbeiten zum Leben, mit sechzehn, siebzehn, ich musste Steine tragen, um ein bisschen Geld zu verdienen, damit ich etwas zum Essen kaufe.
00:10:31: Es war sehr streng.
00:10:33: Es war wirklich sehr streng.
00:10:35: Ein paar Tage hatten wir nicht zum Essen Ja, aber trotzdem, ich musste lernen.
00:10:44: Ich durfte trotzdem zur Schule gehen.
00:10:47: Und ja, erstaunliche Weise war ich super gut.
00:10:51: Du bist auch, du bist sehr ein guter Schüler.
00:10:52: Genau, ich
00:10:53: bin wirklich ein super guter Schüler gewesen, weil ich hatte immer im Kopf, die Schule kann mich retten.
00:11:03: Unbedingt.
00:11:04: Ich denke, die Tür, meine Tür, um etwas in der Zukunft zu erreichen, ist einfach durch die Schule.
00:11:14: Ich musste arbeiten in den Feldern für andere Leute in Bauerhöfe, um ein bisschen Geld zu verdienen, Steine tragen, ein bisschen um die Schule zu finanzieren oder um Hälfte oder Bücher zu haben, aber auch zum Essen.
00:11:31: Das
00:11:32: kann man sich überhaupt nicht vorstellen.
00:11:35: Ein Kind mit so einem Kinderrück, der schon so viel umtragen muss.
00:11:39: Genau.
00:11:40: Und vor allem für mich, aber für uns alle, für meine Geschwister auch.
00:11:43: Das war so schwierig, von diesem Status runterzukommen.
00:11:50: Wo wir Privilegien waren und plötzlich waren wir in einer sehr schlechten Situation.
00:11:57: Im Vergleich mit Menschen, die so eine ... Ein normales Leben in Kamerun hatten.
00:12:04: Unser Leben war noch schlimmer.
00:12:06: Sicher, sogar ist
00:12:08: schlimmer geworden.
00:12:09: Ein riesen Fall von
00:12:11: Hochabend.
00:12:12: Was
00:12:13: hat das mit ihr gemacht?
00:12:15: Ich denke, ich habe gelernt, was das Leben bedeutet.
00:12:21: Ich denke, viele Leute wären depressiv gewesen.
00:12:27: Sie hätten ... aufgegeben.
00:12:30: Sie hätten sehr viele Fehler gemacht.
00:12:33: Ich habe auch ein paar Fehler gemacht.
00:12:36: Aber ich bin zuerst zurück zu mir gekommen.
00:12:41: Ich habe an mich gedacht.
00:12:43: Ich habe gesagt, jetzt musst du ein Mann werden.
00:12:48: Unbedingt.
00:12:49: Und ich habe noch mehr Gott kennengelernt, weil ich habe gesagt, ich brauche Hilfe.
00:12:56: Meine Eltern sind abgelenkt.
00:12:58: mit ihren eigenen Leben.
00:13:00: Ich muss unbedingt einen Weg finden, um irgendwie auf dem Weg zu bleiben.
00:13:10: Und das war extrem schwierig.
00:13:12: Ich habe mich ein bisschen allein gefühlt.
00:13:17: Allein für sich, weil meine Eltern hatten einfach keine Zeit mehr für uns.
00:13:22: Und dann habe ich noch einen kleinen Bruder.
00:13:26: Und der immer für mich, wie mein Sohn war, obwohl wir nur drei Jahre Unterschied haben.
00:13:33: Und dann habe ich angefangen, sehr früh, sehr schnell Verantwortung auch für ihn zu tragen.
00:13:39: Und das hat mir, muss ich sagen, geholfen, weil ich habe nicht nur an mich gedacht, sondern auch an meinen Bruder.
00:13:46: und das hat mir geholfen.
00:13:47: Ich hatte wie eine Aufgabe.
00:13:49: Und diese Aufgabe hat mich geholfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben.
00:13:54: Ja, weil wir könnten ja auch abstürzen, drogen und alles, oder wahrscheinlich nachher liegen.
00:14:00: Aber du hast dir gesagt, die Schule hat die erste Priorität.
00:14:03: Trotz allem hast du in den letzten zehn Jahren das Abitur bestanden.
00:14:08: Und das grosse Ziel war, du möchtest Anwalt werden.
00:14:11: Und hast du das auch angefangen zu studieren?
00:14:14: Also nein, hast du auch studiert?
00:14:15: Genau,
00:14:16: habe ich Studier, Jura Studier.
00:14:18: Ja, das war für mich logisch.
00:14:23: Ich habe so viele Ungerechtigkeit erlebt, auch in Cameroon.
00:14:26: Und für mich war es nicht normal, dass es gewisse Leute, die sehr, sehr privilegiert sind.
00:14:35: Und genau vor der Tür sehen wir andere Leute, die überhaupt nichts haben.
00:14:42: Mir war es auch klar, dass es gibt viele Menschen, die sehr viel Kraft haben, die sehr viel Kraft haben, die sehr viel Autorität haben.
00:14:55: Und diese Menschen hatten fast immer recht, weil sie vielleicht sehr viel vermögen, sehr viel Geld haben, genau Positionen haben.
00:15:07: Und dann habe ich gesagt, ich möchte ein bisschen, ich möchte Dinge anders machen.
00:15:11: Ich war sehr privilegiert.
00:15:13: Und dann, irgendwann hatten wir nichts mehr.
00:15:17: Und dann habe ich gesagt, ich möchte Anwalt werden, um eine gewisse Ausgleich in der Gesellschaft zu bringen.
00:15:25: Damit die Menschen, die unter anderem leiden, dass sie ein bisschen, dass diese Situation einfach aufhört.
00:15:37: Dass Menschen sich, also alle Menschen, normal behandelt werden.
00:15:42: dass Menschen, die bezeichnet werden, als armer oder schwach, dass sie auch unterstützt werden, dass sie vertreten werden.
00:15:49: Und genau das wollte ich auch machen.
00:15:51: Ein Riesenziel, oder eigentlich?
00:15:53: Aber du bist sehr ambitioniert daran her.
00:15:56: Ja.
00:15:56: Und du hast ja dann auch bis zum Bachelor Jura studiert, gell?
00:16:00: Ja.
00:16:01: Und bist du dann nachher in den Jahr ... Bist du Rechtsberater, also auch Leute beraten?
00:16:10: Genau.
00:16:11: Und dann hast du das Sprachzentrum gegründet, warum das?
00:16:15: Ja, ich war auch Rechtsberater.
00:16:18: Für mich war es schon sehr wichtig, dass Menschen ihre Rechte wissen.
00:16:24: In Kamerun zum Beispiel wissen viele überhaupt nicht ihre Rechte.
00:16:27: Und dann habe ich gesagt, ich möchte das Menschen ihre Rechte wissen, ich möchte Menschen beraten, ich möchte das Menschen einfach nicht Dinge machen, die sie nicht wollen.
00:16:40: Ja, und das hat mir super Freude gemacht.
00:16:42: Ich habe auch sehr viel dabei gelernt, sehr viele Geschichte gehört.
00:16:47: Und das hat mir auch viel geholfen, viel zu wissen und zu wachsen.
00:16:55: Und danach habe ich dieses Sprachzentrum gegründet, weil Cameroon ist eigentlich offiziell zweisprachig, französisch und englisch.
00:17:08: Die Mehrheit in Cameroon redet französisch und die Minderheit redet englisch.
00:17:14: obwohl in der Verfassung steht, dass Kamerun zweisprachig ist.
00:17:19: Und dann, ich wollte, dass alle Kamerunner beide Sprachen sprechen.
00:17:27: Und dann plötzlich, also das war mein Traum, ein Land in Kamerun, wo man genau die beiden Sprachen spricht, damit die Leute, die englisch sprechen, nicht mehr so in Minderheit gesehen werden, sondern dass sie genauso wie die anderen sind.
00:17:44: das ähnlich gesprochen wird, aber französisch auch, dann man nicht mehr sagt, das ist ein Anglophon, wie man in Cameroon sagt und das ist ein Francophon, sondern man nur sagt, das ist ein Cameruner.
00:17:57: Genau.
00:17:58: Und Sprachzentren waren sehr teuer in Cameroon und sind immer noch.
00:18:03: Und drum habe ich ein Sprachzentrum gegründet, das was gratis war, einfach damit Leute vorbeikommen und entweder französisch oder ähnlich lernen.
00:18:14: Und ich weiss selber, dass ein Lehrer dort
00:18:17: ist.
00:18:18: Wir spürten das grosse Herz für Gleichstellung.
00:18:20: Das ist das Brennt bis heute in dir.
00:18:25: Wie du so viele Punkte hast, würde ich gerne ansprechen.
00:18:28: Aber ich kürze nicht so etwas ab, damit wir auch weiter in deinem Leben kommen.
00:18:32: Dein sozialer Engagement ist immer weitergegangen.
00:18:35: Du hast dann in dem Jahr zwei tausendfünf Solidaritäts-Tourismus-Organisationen geleitet und gründet.
00:18:43: Um die Barrieren zwischen den Menschen weltweit zu brechen, das war das Ziel und die Entwicklung in die Dörfer zu bringen, dann in dem Jahr die Kommunikation weitergebildet wurde.
00:18:56: Das Sprachzentrum musste abgehen und nur noch die Tourismusfirma geleitet wurde.
00:19:03: Es sind immer mehr Menschenrechte zu fragen, auf dich zu kommen in dieser Arbeit.
00:19:08: Und seit du sieben, ganz etwas Schönes, bist du das erste Mal Papi geworden.
00:19:12: Aber gleichzeitig ist dein Leben immer gefährlicher.
00:19:15: Woher hast du mir gesagt?
00:19:16: Weil du dich als Aktivist engagiert hast.
00:19:19: Was hat das geist?
00:19:20: Also das hat für dich auch bedeutet?
00:19:23: Hast du mir gesagt, dass du hättest sterben
00:19:25: können?
00:19:26: Ja, genau.
00:19:27: Also ich konnte einfach nicht nur einen Berater für Menschenrecht bleiben.
00:19:34: Also jemand, der berät und er redet.
00:19:37: Ich wollte etwas tun, konkret.
00:19:39: Weil ich habe gemerkt, meine Beratung hat nicht zu viel gebracht.
00:19:45: Dann habe ich gesagt, ich werde mich denn engagieren.
00:19:48: Und zwar, ich werde in die Medien gehen, ich werde auf der Straße sein und demonstrieren und einfach ... laut sagen, was versteckt ist, was passiert ist, dass Menschen zum Beispiel, dass die Mindeheiten verfolgt werden.
00:20:09: Ich habe gesagt, das möchte ich laut sagen.
00:20:10: Ich möchte, dass alle das wissen, damit die Aufmerksamkeit dort geht und das Dinge sich ein bisschen ändern.
00:20:18: Also für und und dafür in einem Land wie in Cameroon, wenn man das macht, dann geht man das Risiko ein, auch vervoll zu werden.
00:20:31: Und das wurde auch der Fall.
00:20:33: Ich habe extreme schlimme Sachen erlebt.
00:20:37: Ich wurde zwei, drei Mal festgenommen und ins Gefängnis geschickt.
00:20:44: Ich habe sehr viele Demonstrationen organisiert und auch mitgemacht.
00:20:49: Und einmal wurde ich angeschossen und am Bein und aber auch am Arm.
00:20:57: Aber das hat mich überhaupt nicht entmutigt.
00:21:02: Ich bin trotzdem weiter, weil für mich der Mensch ist wichtiger.
00:21:07: Und vor allem, als ich so viele Menschen gesehen haben, die die total gefoltert wurden, nur weil sie ein besseres Leben wollten.
00:21:22: Weil sie demonstriert haben, weil sie sagen wollten, eh bitte, schaut uns an.
00:21:28: Wir wollen auch ganz normal leben.
00:21:30: Wir haben Probleme, wo wir wohnen.
00:21:33: Hören sie bitte uns an.
00:21:36: hören sie bitte uns zu, aber niemand hat das gemacht.
00:21:39: und dann habe ich gesagt, das geht überhaupt nicht.
00:21:41: Und umgekehrt, statt geholt werden zu werden, wenn Leute demonstrieren auf der Straße, sie werden angeschossen, sie werden geschlagen, sie werden ins Gefängnis geschickt.
00:21:52: Leider konnte ich meine Arge nicht zumachen.
00:21:56: Ich habe gesagt, ich kann das nicht sehen und nicht sagen, sonst bin ich... Also eine Art von Kompliz.
00:22:03: Dann habe ich gesagt, ich muss mich engagieren.
00:22:05: Es hat mich extrem viele Probleme gebracht.
00:22:08: Aber ja, so ist das Leben.
00:22:11: Ja, und gleichzeitig hast du ja ein Baby.
00:22:14: Also bist du Vater geworden und das löst ein ja so beschützerinstinkt
00:22:18: aus.
00:22:19: Genau, genau.
00:22:20: Und dann gleichzeitig ... Stellst du dein Leben?
00:22:24: Könntest du sterben?
00:22:25: Ich nehme an, dass es für deine Frau
00:22:27: sehr
00:22:28: schwierig war.
00:22:29: Und auch für dich oder als Papi mit diesem Gefühl?
00:22:32: Ja.
00:22:33: Ich wollte für meinen Sohn eine bessere Welt ausschaffen.
00:22:40: Ich wollte, dass Cameroon ein bisschen besser wird für meinen Sohn.
00:22:48: Wenn ich zurückblicke, ich muss sagen ... Ich habe nicht zu viel nachgedacht.
00:22:54: Diese Instinkt von Vater, von Beschützer war viel stärker.
00:23:01: Ich musste manchmal weg von meiner Familie lange, um meine Familie zu beschützen.
00:23:09: Ich wollte nicht, dass die Behörde zum Beispiel wissen, wo meine Familie ist, wo ich wohne, weil das war meine Art, um meine Familie zu beschützen.
00:23:20: Aber es war sehr schwierig für meine Ex-Frau, aber vor allem noch schwieriger für meine Kinder, noch schwieriger, weil sie müssen einfach das auch, sie müssten irgendwie mitmachen.
00:23:37: Ich habe alles versucht, damit sie beschützt werden und Gott sei Dank lange ist ihnen nicht passiert.
00:23:47: einfach weil ich sehr lange manchmal weg war und dass niemand wusste eigentlich, wo ich wohne.
00:23:55: Aber da war so ein Riesentran in dir, um zu helfen, dass du einfach schmösen
00:24:01: kannst.
00:24:02: Ja, ich kann es bis heute nicht verstehen.
00:24:06: Ich weiss einfach, wenn ich es, wenn die Möglichkeit nach heute wäre, Und die Frage würde mich gestellt, ob ich das nochmal machen würde.
00:24:18: Ich würde sagen, ja, genau gleich.
00:24:22: Ich kann es einfach nicht erklären.
00:24:25: Ich kann einfach nicht Menschen leiden sehen und nichts machen.
00:24:29: Ich kann das nicht.
00:24:33: Es hat sich gepflegt in etwas sehr, sehr Schlimmes für dich, sehr herausforderndes.
00:24:40: Am Anfang war es eine grosse Katastrophe.
00:24:43: Auf jeden Fall, du wurde eingeladen, im März, von einer internationalen Menschenrechtsorganisation, um zu kämpfen, also eingeladen.
00:24:52: Dass du dort über die Menschenrechtssituation in Zentralafrika redest und über den Kampf, für Gleichberechtigung und Recht von Minderheiten, wo du dich so einsetzt.
00:25:04: Und dann ist es passiert, dass du wieder heireisen willst, aber nicht mehr können.
00:25:09: Weil die Pörden des Landes schon deine Familie unter Druck gesetzt haben.
00:25:14: Und wie sie nach dir suchen wollen.
00:25:16: Das heisst, du konntest nicht zurück.
00:25:18: Genau.
00:25:19: Ich muss mitten in das.
00:25:20: Was ist hier passiert?
00:25:22: Ja, also als Berater und Aktivisten, ich bin schon sehr bekannt in Cameroon geworden, aber auch viele andere Internationalorganisationen, die sich um Menschenrecht kümmern, haben auch von mir gehört.
00:25:42: und so wurde ich eigentlich eingeladen.
00:25:46: Weil damals habe ich Protokolle geschrieben über die menschenreichste Situation, nicht nur in Cameroon, sondern in Zentralafrika.
00:25:55: Und dann gab es sehr viele Gipfel in Genf und die Wiederholung in New York.
00:26:01: Dann wurde ich angeladen nach Genf, um genau über diese menschenreichste Situationen live zu berichten.
00:26:10: So habe ich ein Visum bekommen, um in die Schweiz zu kommen.
00:26:15: Es war sehr schwierig, um auszureisen, weil ich war schon gesucht im Kamerun.
00:26:21: Ich musste irgendwie organisieren.
00:26:24: Ich habe den Flugzeug genommen, nicht in der Stadt, wo ich wohnte, sondern in eine andere Stadt.
00:26:33: Einfach damit man nicht schnell merkt, dass ich am Ausreihen bin.
00:26:39: Und dann, ich bin in der Schweiz angekommen, ich habe die Konferenz, also ein Teil der Konferenzen gemacht.
00:26:47: Aber leider wurde ich auch sogar bedroht, während diesen Konferenzen von den Vertretern und der Regierung in Cameroon, weil das war internationale Gipfel, wo der Cameroon nach der Regierung auch vertreten war.
00:27:03: Und ich muss auch einfach berichten, was in Cameroon Passiert.
00:27:09: Passierte.
00:27:10: Leider passiert es immer noch.
00:27:11: Aber nicht nur in Kamerun, sondern in Zentralafrika.
00:27:15: Und das hat die Regierung von Kamerun überhaupt nicht akzeptiert.
00:27:19: Und dann wurde ich bedroht.
00:27:21: Ich wurde gesagt, okay, wenn ich denke, dass ich in Sicherheit in der Schweiz bin, dann täusche ich mich.
00:27:27: Sie können immer machen, was sie wollen von mir.
00:27:31: Und ich hatte super Angst.
00:27:34: Und dann habe ich mich so überhaupt nicht sicher gefühlt.
00:27:38: In der Schweiz, weil ich kenne schon ein paar Geschichten so, wo, obwohl gewisse Aktivistinnen in der Schweiz waren, sind sie immer noch gestorben.
00:27:51: Sie wurden vergiftet in ihrem Hotel und dann sind sie gestorben.
00:27:55: Also es ist immer möglich.
00:27:56: Dann so ist diese Unsicherheit in mir gekommen und ich hatte total Angst.
00:28:02: Trotzdem wollte ich zurück nach Kamerun fliegen, weil die Kinder und meine Familie nach Hause hat mich eine Nachricht geschickt.
00:28:15: Das heißt, die Polizei war zu Hause, und sie haben sogar nicht gesagt, die Polizei, sondern die Armee war zu Hause und hat sich bedroht und gefragt, wo ich genau bin, wo sie meine Dokumente sind.
00:28:29: Und das war schon schlimm.
00:28:30: Und trotzdem wollte ich zurückfliegen.
00:28:33: Um sie zu beschützen?
00:28:33: Genau, um sie zu beschützen.
00:28:35: Aber meine Kinder haben mir gesagt, mein Sohn hat mir gesagt, bitte, Papa, komm nicht, weil sie suchen nach dir.
00:28:42: Sie wollen dich.
00:28:43: Das war so ... Also, ich war so machtlos.
00:28:50: Total machtlos, ich war genervt.
00:28:53: Mein Anwalt auch in Karl-Maron hat mir gesagt, komm bitte hier nicht.
00:28:59: Ich kann dich nicht verteidigen.
00:29:02: wenn sie dich holen und es gefährlich bringen, ich kann nichts mehr machen.
00:29:06: Ich habe überhaupt nicht so.
00:29:08: Bitte such einen anderen Weg.
00:29:10: Und du hast ja mittlerweile schon zwei Kinder gehabt,
00:29:14: das habe ich gar noch nicht gewählt.
00:29:17: Genau, da hatte
00:29:17: ich schon drei Kinder sogar.
00:29:19: Und darum war es noch sehr, sehr schwierig für mich, diese Kinder so hinten zu lassen, obwohl ich versprochen hatte zurückzukommen.
00:29:29: und weil ich sowieso andere Konferenzen in New York hatte.
00:29:35: Die waren schon vorgeplant.
00:29:39: Und dann in dieser Situation habe ich mich beraten lassen von meinen Arbeitkolleginnen, also an der UNO, die Leute, die auch dort arbeiten.
00:29:50: Sie haben gesagt, es gibt ein Verfahren in der Schweiz, und zwar das Asylverfahren.
00:29:55: Es wäre gut für dich.
00:29:57: dass du Schutz in der Schweiz sucht.
00:30:00: Und das heißt, dieses Asylverfahren zu machen.
00:30:05: Ich wusste überhaupt nicht, was Asylverfahren bedeutet.
00:30:09: Aber ich dachte, vielleicht ist das eine Lösung für mich, um wirklich geschützt zu werden.
00:30:15: Weil ich hatte Angst.
00:30:17: Ich habe immer gedacht, etwas kann mir in der Schweiz passieren.
00:30:22: Und ich brauche Leute, die mich ... schützen.
00:30:25: Und so habe ich das Asylverfahren angefangen.
00:30:28: Ja, und was heisst das?
00:30:29: Also, wie war das, das Asylverfahren?
00:30:31: Es ist ja sehr, sehr eine schwierige Geschichte.
00:30:35: Du hast das ganze Buch über diese Zeit geschrieben.
00:30:37: Vielleicht kannst du uns einfach so ein bisschen mitnehmen.
00:30:40: Wir haben nicht so viel Zeit, aber dass wir wissen, was hier passiert.
00:30:44: Also, das Asylverfahren ist bis heute das Schlimmste, was mir in der Schweiz passiert ist.
00:30:53: Weil vom Anfang an bis am Ende, ich habe mich als ein Verbrecher gefühlt, weil ich wurde einfach als ein Verbrecher genommen.
00:31:06: Es war extrem schwierig und ich kenne mich, ich bin ein Berater, recht Berater.
00:31:14: Ich kenne gewisse Situationen und plötzlich war ich als ein Verbrecher.
00:31:20: behandelt.
00:31:21: Und das war extrem schwierig.
00:31:23: Extrem schwierig auch zu sehen, dass Menschen, die kommen, einige sind schon hoch traumatisiert, dass dieses Trauma nicht berücksichtigt wird.
00:31:36: Dass sie während des Verfahrens sogar wieder traumatisiert werden, indem sie in sehr starke Anhörungen durchgehen müssen und in dem es keine psychologische Unterstützung für sie gibt und das finde ich sehr schwierig.
00:32:00: Für mich war es wirklich schwierig.
00:32:02: Ich bin also ich bin so dankbar an Gott, dass ich eine gewisse Resilienz habe und diese Resilienz habe ich benutzt, um andere Menschen zu unterstützen in diesem Verfahren, aber auch um versuchen, das Asylverfahren zu verbessern.
00:32:22: Nicht nur zu kritisieren, sondern zu verbessern.
00:32:27: Was man nicht mehr in den Augen hat in diesem Asylverfahren ist, dass es geht um Menschen zuerst.
00:32:34: Es geht nicht um positiv oder negativ.
00:32:37: Es geht nicht um... Es geht zuerst um Menschen.
00:32:42: Was machen wir mit Menschen?
00:32:43: Da sind keine Nummer.
00:32:45: Das sind Menschen.
00:32:46: So
00:32:47: hast du dich aber gefühlt.
00:32:48: Genau.
00:32:49: Ich habe mich als ein Fall gefühlt.
00:32:53: Dieses Wort Fall, wenn man das Wort sagt, dann vergiss man manchmal, dass da hinten eigentlich es gibt Leute, die Namen haben.
00:33:05: Genau.
00:33:06: Und ja, es war extrem schwierig für mich.
00:33:10: Ich musste sehr viel kämpfen.
00:33:13: Ich habe das Schlimmste, kann ich sagen, von dem Asylverfahren erlebt.
00:33:19: Und nur meine Resilienz hat mir geholfen, um gesund im Kopf zu bleiben.
00:33:25: Ich hoffe, ich bin immer noch gesund.
00:33:27: Du wirst schon mal sehen.
00:33:29: Ja,
00:33:29: genau, danke.
00:33:31: Ja, genau, es hat mir wirklich geholfen.
00:33:33: Aber nicht alle sind so resilient wie ich.
00:33:35: Ich habe so viele Menschen total kaputt gegangen.
00:33:44: Gehen gesehen, so viele Menschen.
00:33:47: Ist es in dem Sinne, dass die Interviews da so schwieriger sind, wo du auch sagst, wie ein Verbrecher gefühlt die Fragen, die immer wieder kommen?
00:33:55: Die Fragen sind manchmal sehr perfid.
00:33:58: Sehr perfid.
00:33:59: Die Fragen schicken die Leute zurück in ihre Traumata.
00:34:07: Direkt.
00:34:08: Sie müssen die Einzelheiten erzählen.
00:34:13: die Einzelheiten und wiederholen, und nochmal wiederholen.
00:34:17: Es gibt mal mal drei Anhörungen.
00:34:20: Also von der Seite der Behörde, das ist, weil sie wollen genau verstehen, ob die Person, die Weihart seid, ob die Person nicht in einer Anhörung etwas sagt und in einer zweiten etwas anderes sagt.
00:34:41: Genau.
00:34:42: Das ist in der Seite der Behörde, darum geht es.
00:34:45: Aber man muss auch im Kopf haben, dass diese Menschen, die immer wieder die gleiche Geschichte erzählen müssen, sie gehen zurück in ihre Traumate.
00:34:55: Und das kann entweder traumatisieren sein oder traumatisieren sein.
00:35:01: Und was ich wirklich, wo ich sage, es könnte Verbesserung sein, das ist... in der Unterstützung, die psychologische Unterstützung, weil nach der Anhörung zum Beispiel am Schluss die Behörde, die sagen, danke für ihr mitmachen.
00:35:21: Jetzt dürfen sie nach Hause.
00:35:22: Und meine Frage ist immer wieder, wie geht man zurück nach Hause, wenn man so sechs, sieben Stunden in eine Anhörung war, wenn man Man sagt Anhörung, aber für mich, das ist ein Verhör, wenn man sechs, sieben Stunden in so eine Situation war, wo man total traumatisiert oder wieder traumatisiert ist, dann muss man zurück in die Gesellschaft.
00:35:56: Ich habe manchmal ein Bild, für mich das ist eine Mangel von Verantwortung.
00:36:00: Man kann nicht ein Mensch so traumatisiert oder wieder traumatisiert und zurück in die Gesellschaft schicken, mit allen Konsequenzen, dass das bringen kann.
00:36:11: Für mich das ist eine Mangel von Verantwortung der Gesellschaft gegenüber.
00:36:16: Weil die Gesellschaft hat nicht verdient, solche Menschen zu empfangen.
00:36:22: In dieser Situation, für mich das sage ich immer wieder, man sollte versuchen, diese Menschen zu beruhigen, sicherzustellen, dass sie fähig sind, nach Hause zu fahren, was das ist, die Verantwortung von der Behörde, dass die Menschen zurück in Sicherheit gehen können, weil sie diese Menschen eingeladen haben und diese Menschen haben den ganzen Tag verbracht.
00:36:50: Sie dürfen nicht zurückgehen in diese Situation.
00:36:53: Sie werden sicherstellen, dass es diesen Menschen einigermaßen gut
00:36:57: geht,
00:36:59: bevor sie nach Hause fahren.
00:37:01: Über das Ganze hast du auch ein Buch geschrieben.
00:37:03: Das werden wir in den Show notes verlinken, damit wir das unbedingt bestellen und lesen.
00:37:08: Dort ist noch viel mehr drin von dem, was du erlebt hast.
00:37:12: Das Zühlverfahren hast du überlebt.
00:37:14: Jetzt mal, sonst ist es überstanden.
00:37:16: Wie lange ist es gegangen?
00:37:20: Bei mir ist es fünf bis sechs Jahre gegangen.
00:37:26: Also eine Zeit der Unsicherheit, wo man gar nicht weiss, kann
00:37:29: ich da bleiben?
00:37:30: Genau.
00:37:31: Und dann, wo man auch einen negativen Entscheid bekommt und dann muss man noch mal Rekurs machen und dann kriegt man noch mal einen negativen.
00:37:45: Es ist ein Kampf.
00:37:46: Man muss immer wieder kämpfen und dann versteht man überhaupt nicht, wieso kommt es so, wenn es so viele Beweisen gibt.
00:37:54: Ja, es war extrem schwierig und in diese sechs, fünf bis sechs Jahren, ich musste einfach durchhalten.
00:38:03: Ich musste Strategien finden, um nicht im Kopf kaputt zu gehen, um trotzdem, trotzdem weiter zu gehen.
00:38:14: Und sogar andere Leute in dieser Situation, wie in meiner Situation, zu unterstützen.
00:38:22: Weil ich habe gesagt, ich bin selber betroffen.
00:38:27: Gott sei Dank bin ich sehr resilient.
00:38:30: Aber es gibt viele Menschen, die überhaupt nicht resilient sind.
00:38:33: Sie brauchen Hilfe.
00:38:35: Dann habe ich mich für diese Menschen eingesetzt.
00:38:38: Ich habe an bisschen meine Situation vergessen.
00:38:41: Und ich habe diese Menschen unterstützt, wie ich konnte.
00:38:44: Also
00:38:52: ich dachte immer, dass ich vielleicht in der Schweiz, in diesem Asylverfahren sterben würde.
00:38:58: Ich war etwas überzeugt, weil ich habe gesagt, vielleicht übersteht das nicht.
00:39:04: Und darum habe ich auch das Buch geschrieben, das Labyrinth.
00:39:08: Das Labyrinth war auch eine Art ... etwas zu schreiben, dass meine Kinder nachher lesen können.
00:39:19: Eventuell, wenn mir etwas passiert.
00:39:21: Und gleichzeitig, das war auch so wie eine Art, um Menschen zu zeigen, was genau in dem Asylverfahren passiert.
00:39:30: Wieso hast du Angst, dass ich sterbe?
00:39:33: Ich wusste nicht, dass ich so stark sein würde.
00:39:38: Ich wusste nicht, weil ich habe so viele Situationen erlebt.
00:39:42: wo ich wirklich Angst hatte, wo ich dachte, ich werde vielleicht sehr deprimieren, ich werde vielleicht, ja, alles, was ich bin, verlieren, ich werde vielleicht in einen Zustand kommen, wo ich sagen würde, ich habe es nicht mehr, ich will dieses Leben nicht mehr.
00:40:03: Genau.
00:40:05: Aber Gott sei Dank, ich und Rum... Also Glauben hat mir auch sehr viel geholfen und immer wieder sehr positiv zu denken und sagen, wenn es ein Problem gibt, gibt es immer, immer, immer mindestens eine Lösung.
00:40:27: Das Problem ist nicht, die Lösung zu suchen, weil die Lösung ist da.
00:40:32: Das Problem ist nicht, ob es eine Lösung gibt, aber das Problem ist, Haben wir genug Ressourcen, um diese Lösung zu finden?
00:40:44: Geben wir uns, haben wir diese Ressource für das?
00:40:47: Und das heißt, haben wir Zeit?
00:40:48: Haben wir die Einstellung, wach zu bleiben und resiliere zu bleiben, um die Lösung zu finden?
00:40:57: Die Lösung ist da.
00:40:59: Es gibt kein Problem ohne Lösung.
00:41:01: Das gibt es nicht.
00:41:04: Du hast ja ein neues Daheig gefunden, da bei uns in der Schweiz.
00:41:09: Wirst du auch sagen, die Schweiz ist ist daheim?
00:41:13: Uuh, schon wieder gefragt.
00:41:14: Noch nicht.
00:41:17: Nein, ich bin zuerst sehr dankbar, sehr dankbar, weil ich mich sicherer in der Schweiz fühle, weil ich einen Tag über den Kopf habe, weil, ja, dank der Schweiz, ich konnte, also die Schweiz hat... mir geholfen, nicht zu sterben.
00:41:41: Ich denke, wer in Kamerun geblieben, ich würde sterben.
00:41:44: Das ist schon klar.
00:41:45: Obwohl ich kein Asyl bekommen habe, aber dass ich so gekämpft habe.
00:41:53: Und obwohl das Asylverfahren überhaupt nicht gut für mich war, in der Zeit habe ich mich ein bisschen sicherer gefühlt.
00:42:03: Ich habe wirklich gute Menschen auch kennengelernt in diesem Asylverfahren, also tolle Menschen, die mich sehr viel unterstützt haben.
00:42:12: Ich habe mich super entwickelt.
00:42:17: Ich bin eine andere Person geworden.
00:42:19: Ich denke ein bisschen anders heute, weil ich sehr viel auch von der Schweiz gelernt habe und ich versuche auch heute etwas zu bringen, in dieser Gesellschaft zurückzubringen, wer ich bin, was ich kenne, nicht nur was ich gelernt habe, weil ich kenne ja, ich weiß auch, sehr viel.
00:42:46: Viel von, was ich von Kamerun mitgenommen habe, mitgebracht habe.
00:42:52: Und das will ich auch der Gesellschaft geben, weil ich rede nicht zu viel.
00:43:00: Man redet sehr viel über die Integration.
00:43:03: Menschen sollen sich integrieren.
00:43:07: Aber das ist nicht so.
00:43:08: meine Philosophie.
00:43:09: Meine Philosophie ist, Gesellschaften entwickeln sich wie Menschen.
00:43:16: Es gibt nicht nur Menschen, die kommen und sie passen sich an, sondern es gibt Menschen, die mit der Ressource kommen, sie lernen.
00:43:25: wo sie angekommen sind und sie bringen auch, was sie haben, als positiv, damit die ganze Gesellschaft sich entwickelt.
00:43:33: Und für mich, dass ich nicht das richtige Wohl wäre, nicht Integration.
00:43:39: Ich fühle mich sehr gut in der Schweiz.
00:43:42: Ich habe sehr viele Chancen, sehr viel zu erreichen und ich bin es wirklich sehr dankbar.
00:43:54: Meine Fähigkeiten wurden leider nicht in Cameroon anerkannt, aber in der Schweiz.
00:43:59: Langsam wird es.
00:44:02: Langsam wird es.
00:44:03: Und drum, ich denke, wenn ein Land mir diese Chance gibt, dann soll auch dieses Land das Beste von mir bekommen.
00:44:11: Und ich bin kein Mensch, der mit Rache lebt.
00:44:18: Ich bin ein Mensch, der Probleme betrachtet.
00:44:21: Und der immer denkt, wie kann man diese Situation verbessern?
00:44:27: Was ist mit deiner riesen Leidenschaft im Herzen für Kamerunner, die immer noch in der Minderheit sind, in dem noch ausgeliefert sind, wo du so dafür gekämpft hast?
00:44:39: Was ist mit dem?
00:44:40: Halt das aus?
00:44:44: Mir fehlen manchmal die Worte, weil ... Ich sehe die Situation gerade in Cameroon.
00:44:50: Diese Situation wird überhaupt nicht besser.
00:44:53: Leider.
00:44:54: Und ich habe nicht so große Hoffnung.
00:44:59: Weil die Politik macht das noch schlimmer.
00:45:05: Es wird leider nicht besser.
00:45:07: Und ich habe mir derzeit gelernt, mich abzugrenzen.
00:45:12: Weil ich denke, ich bin heute in einem Alter.
00:45:17: wo ich auch nachdenken soll, bevor ich etwas tue.
00:45:26: Und im Moment, ich kann leider nicht viel, nicht mehr viel für mein Heimatland.
00:45:37: Die Situation ist viel schlimmer geworden, ist nicht mehr kontrollierbar im Moment.
00:45:47: Eine Person wie ich kann dieses Problem überhaupt nicht lösen.
00:45:52: Die Behörde will überhaupt nichts zuhören und es ist schwierig.
00:45:58: Und trotzdem ab und zu helfe ich einfach im sozialen Bereich in Cameroon.
00:46:09: weißen Kindern, Geflüchtete auch, die im Kamerun leben.
00:46:16: Ich helfe ihnen, indem sie so Kleider bekommen, Matratzen, genau, um das Leben ein bisschen leichter im Alltag zu haben.
00:46:28: Und du schaffst ja bei der sozialen Dienst in der Stadt Zürich, also die sozialen Engagement geht weiter.
00:46:35: Dort setzt du dich für weh rein, auch für Menschen, die in diesem Asylverfahren drin sind, unter anderem, oder?
00:46:41: Ja, unter anderem.
00:46:43: Ich bin für die Fallführung zuständig für Asylsuchende heute.
00:46:50: Aber ich bin auch für die Integration von Menschen mit Schutzstatus oder andere Bewilligungen.
00:47:00: Ich muss auch betonen, dass ich bin auch daneben zuständig für das Wohnen, für alle kategorierende Menschen.
00:47:09: Das heißt, sei es Menschen, die in der Schweiz geboren sind oder einfach Schweizer.
00:47:18: Kurs vor der Obdachlose oder die plötzlich ihre Wohnung oder ihr Wohnen verloren haben.
00:47:27: Und dann bin ich zuständig, um ein neues Wohnen, eine Notlösung für diese Menschen zu finden und ihnen helfen auch wieder einzusteigen in die Gesellschaft.
00:47:39: Du sagst ja, du siehst dich als Hoffnungsträger für andere Menschen.
00:47:43: Das finde ich mega schön.
00:47:45: Was meinst du damit?
00:47:47: Weil ich gebe kaum auf.
00:47:52: Ich bin ein Mensch, der wirklich kaum aufgibt und ich bin ein Mensch, der das positive in eine Situation sieht und nicht nur das negative.
00:48:06: Und genauso, wenn ich mit Menschen rede, ich versuche, diese Menschen immer wieder zu ermutigen, ihnen zu sagen, es ist nie vorbei.
00:48:16: wenn man noch lebt.
00:48:18: Es gibt immer eine Hoffnung.
00:48:21: Immer
00:48:22: eine Hoffnung.
00:48:23: So, es gibt, je nachdem, ob in der Situation, wo man sich befindet, kann man in dieser Situation etwas Gutes finden.
00:48:36: Und wenn ich merke, nach einem Gespräch, dass es ein Licht in den Augen gibt, Ich bin so zufrieden nachher.
00:48:46: Weil dann habe ich genau diese Antwort, die sagt, es gibt immer eine Hoffnung.
00:48:52: Und diese Menschen bedanken sich manchmal sehr bei mir, weil sie danklich sagen, oh, das Gespräch war toll.
00:48:57: Jetzt, ich denke wirklich, ich kann noch etwas machen.
00:49:02: Und das ist für mich also das Beste zu hören, dass ein Mensch sagt, ich versuche es nochmal.
00:49:11: Ich spüre so dein Herz ein.
00:49:12: Ich danke dir so vielmals für alles zu erzählen.
00:49:17: Ich hätte jetzt gerne noch eine Stunde mit dir weitergerät, zu machen vielleicht nachher.
00:49:20: Aber ich danke dir vielmals fürs Vertrauen.
00:49:23: Und alles Gute hier weiter, bei uns in der Schweiz, dass du dich immer mehr daheim fühlst.
00:49:28: Das wünsche ich dir.
00:49:29: Danke vielmals.
00:49:30: Danke vielmals Ruth.
00:49:32: Also ich möchte einfach sagen, meine Botschaft wäre, egal was passiert, Immer denken, dass es eine Lösung gibt.
00:49:41: Es gibt immer eine Lösung.
00:49:43: Wenn es ein Problem gibt, gibt es mindestens eine Lösung.
00:49:49: Vielleicht sogar mehr.
00:49:50: Darum haben alle solche Sachen.
00:49:55: Der Yves Hongler hat man gehört.
00:49:57: Mehr über ihn und sein Buch, das Labyrinth, findest du bei uns in der Show Notes.
00:50:03: An dieser Stelle möchten wir dir Danke sagen für deine Unterstützung.
00:50:06: Wir brauchen nämlich finanzielle Unterstützung.
00:50:09: Die Podcasts wie das vis-a-vis gibt es nämlich nur Dankspenden.
00:50:13: Ihr F-Medien, die diese Podcast produziert, ist nämlich ein Spendenwerk.
00:50:18: Und darum freuen wir uns mega.
00:50:19: Wenn du uns mitdreifst, danke dir viel, vielmals.
00:50:23: Mehr zum Spenden, auch bei uns in den Show-Notes.
00:50:26: Ich bin Ruth Stutz.
00:50:27: Schön, dass du mit dabei warst.
00:50:29: Vis-a-vis.
00:50:30: Bei uns erzählen die
00:50:31: Menschen,
00:50:32: Ihre Geschichte.
00:50:33: Ein Podcast
00:50:34: von RF Media-Schutz.
00:50:37: Herzlich echt und ungeniert.
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